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Schwammstadt: Klimaanpassung gegen künstliches Fieber

Schwammstadt-Kongress von MdL Ursula Sowa machte deutlich, wie nötig, aber auch möglich eine Klimaanpassung vor Ort ist

„Das Thema muss sich von der Anne-Will-Couch und den Bundestagsdebatten lösen und endlich auch bei den Leuten zuhause ankommen.“ Das forderte Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp beim Schwammstadt-Kongress, zu dem seine Parteikollegin Ursula Sowa (MdL) eingeladen hatte. 

Schwammstadt – was bedeutet das eigentlich? Von Sowa auf den Punkt gebracht: „In Zeiten des massiven Klimawandels müssen Städte wie Bamberg dafür sorgen, dass sie einerseits nicht austrocknen und überhitzen, andererseits bei Starkregen nicht überfluten.“ Denn die Extremwetterlagen sind uns auch hierzulande deutlich vor Augen geführt worden – sicher nicht zuletzt im vergangenen heißen Sommer.

Es geht also neben Klimaschutz auch um Klimaanpassung an die schon eingetretenen und nicht mehr rückgängig zu machenden Veränderungen unseres Klimas. Sowa, selbst Architektin und baupolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, stellte zahlreiche gelungene nationale wie internationale Beispiele vor, wie Städte und Gebäude Wasser speichern und nutzbar machen, kurzum „wie ein Schwamm aufsaugen“ können.

Schwammstadt – wo ist Platz für Wasser?

Bamberg will Schwammstadt werden, so Klimareferent Glüsenkamp. Das Projekt „Mitmachklima“, für die nächsten drei Jahre mit 3,3 Mio Euro Bundesfördermitteln ausgestattet, hat es sich zum Ziel gesetzt, Klimaprojekte mit den Bürger:innen zu entwickeln, in ihrem direkten Umfeld, mit ihrer direkten Beteiligung. „Die Aufgabe der Politik ist es, die Transformation demokratisch zu gestalten. Wir können Klimaanpassung und Klimaschutz nicht verordnen, sondern müssen überzeugen, auch die Skeptiker:innen.“ Dieser Stoßrichtung verschreibt sich auch Lisa Badum, Grünen-Bundestagsabgeordnete und Obfrau ihrer Fraktion im Ausschuss für Klimaschutz und Energie. „Es braucht lokale positive Beispiele, die Ermutigung schaffen, um den Klimaschutz zu einem Projekt von uns allen zu machen.“

Schwammstadt gestalten – das braucht Know-How ebenso wie Phantasie. Eine Wasserfläche auf dem Maxplatz etwa scheitert an der darunter liegenden Tiefgarage. Einem See am Heumarkt, den es tatsächlich früher einmal gegeben hat, steht die Abfahrt der in dieser Tiefgarage liegenden Autos entgegen. Und der Bestand der Tiefgarage ist über Jahre hinaus vertraglich festgelegt. Wäre es hingegen möglich, die an der Weide ehemals bestehende Fischwinterung wieder zu beleben, wie bei der Podiumsdiskussion vorgeschlagen? Ein denkbares Schwammstadt-Projekt?

Klimaschutz als Pflicht für Kommunen?

Um Wasser in der Landschaft zurück zu halten sind naturnahe Gewässer, weniger Versiegelung und der Aufbau von humusreichen Böden notwendig, das betonte Erich Spranger vom Bund Naturschutz Bamberg. Aspekte einer Schwammstadt sind die Begrünung von Gebäuden, oder eine Wege- und Straßenpflasterung, die Wasser versickern lässt, gleichermaßen Regenwasser, das nicht in die Kanalisation fließt, sondern gespeichert wird, oder Straßenbäume, die nicht auf kümmerlichen Baumscheiben vor sich hin darben müssen.

Das alles hat sich auch die Stadt vorgenommen, bestätigt Jonas Glüsenkamp: „Mit dem Klimavorbehalt wird jedes Projekt darauf abgeklopft, welche Auswirkungen es auf das Klima hat.“ Seine Forderung lautet: „Klimaschutz muss kommunale Pflichtaufgabe werden, so wie Feuerwehr und Müllentsorgung, und nicht nur freiwillige Leistung wie bisher.“ Darin ist er übrigens mit dem gesamten Deutschen Städtetag einer Meinung, ebenso wie mit seinen grünen Mitstreiterinnen Sowa und Badum.

Bamberg: es wird heißer

Wie dringlich die Sache mit der Schwammstadt ist, betonte Prof. Dr. Foken, Meteorologe und Klimaforscher von der Universität Bayreuth: In Bamberg ergab eine von ihm fachlich betreute Messung durch den Bürgerverein Mitte in der Innenstadt 13 Tage mit über 20 Grad in der Nacht, in der Südflur hingegen lag keine Nacht über 20 Grad. Das seien drastische Unterschiede und eine typische Aufheizung von Städten. „Wir Menschen versetzen uns selbst bei über 35 Grad tagsüber in ein künstliches Fieber!“ Für die Stadt Bamberg hat er eine zu erwartende Klimaerwärmung von 2,8 Grad errechnet, selbst wenn das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens noch erreicht werden sollte. Wenn nicht, prognostiziert er einen noch höheren Anstieg der Durchschnittstemperatur.

Dass „der Denkmalschutz einer Schwammstadt nicht im Wege steht“, versicherte Dr. Thomas Gunzelmann, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, auch wenn ein kleiner Wald auf dem Domplatz freilich nicht seine Zustimmung finden würde. Aber gerade die historischen Gärtnerflächen und die Grünzungen in der historischen Bergstadt bergen ihm zufolge viel Grünpotential, das erhalten bzw. wiederbelebt werden kann. Und sogar der Maxplatz wäre aus seiner Sicht reif für eine Begrünung.

Gruppenfoto Referent:innen (v.l.n.r.: Erich Spranger, Dr. Thomas Gunzelmann, MdL Ursula Sowa, MdB Lisa Badum, Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, Prof. Dr. Thomas Foken)

Exklusiver Bamberger Schwammkuchen

Begleitend zur Veranstaltung “Schwammstadt Bamberg” ließ Ursula Sowa Schwammkuchenanfertigen. Die Tartelettes sowie die Torte mit Bamberg-Motiven und Schwammelementen stammen von Lea Sopper, die in der Austraße eine neue Konditorei betreibt.

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