BIWAQ

Mehr Mittel für die „Soziale Stadt“ – BIWAQ-Förderkulisse für Kommunen

Tipp für Kommunalpolitiker:innen
Mit BIWAQ könnt ihr eure Projekte in den „Soziale Stadt“-Gebieten der Städtebauförderung finanziell aufstocken. Aus dieser sozialräumlichen Perspektive werden letztlich insbesondere jene Quartiere gefördert, in denen im Durchschnitt mehr Menschen ohne Erwerbsarbeit oder mit Migrationshintergrund leben, als im Mittel in der Kommune. BIWAQ steht entsprechend für „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ und besteht aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Gefördert werden Maßnahmen zur „Nachhaltigen Integration in Beschäftigung“, etwa Potentialanalysen, Beratungs- und Qualifizierungsangebote oder Bewerbungstrainings, aber auch Maßnahmen zur „Stärkung der lokalen Ökonomie”. Dazu zählen etwa Unternehmensberatungen, unternehmerische Kompetenzentwicklung (zB bei Online-Handel oder Social Media), Leerstandsmanagement oder Imageförderung. Darüber hinaus sind auch Maßnahmen, die Synergien zwischen den Handlungsfeldern schaffen, förderfähig. Etwa Maßnahmen zum Austausch zwischen Generationen, zur Inklusive, zum Ausbau digitaler Nachbarschaftsportale oder der Sport- und Kulturmöglichkeiten vor Ort.

In der aktuellen Förderperiode stehen über 100 Millionen Euro zur Verfügung, zusätzlich rund 70 Millionen Euro aus dem Bundesbauressort. Die Förderquote bei BIWAQ liegt bei 50 bis 90 Prozent. Der Eigenanteil der Kommune ist entsprechend gering. Mehr Informationen im unten stehenden Exzerpt sowie auf dem Web-Auftritt zu BIWAQ.

Was bedeutet BIWAQ?

„Seit 2008 fördert das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) mit Hilfe des ESF-Bundesprogramms „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ“ ergänzend zum Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ und unter Verwendung von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) lokale Arbeitsmarkt-. Bildungs- und Wirtschaftsprojekte in benachteiligten Quartieren in Kommunen“ (BBSR). 

Quartiere einzelner Stadt- und Ortsteile, die auch Teil des Gebiets des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ sind, können somit sozialraumorientiert durch städtebauliche Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt vorangebracht werden.

TIPP: Das 1 x 1 der Städtebauförderung

(Web-Seminar nachträglich ansehen)

Wo wird mithilfe von BIWAQ gefördert?

„Mit BIWAQ fördern BMUB und die EU arbeitsmarktbezogene Aktivitäten in Gebieten des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“, die insbesondere 

  • die nachhaltige Integration arbeitsloser bzw. langzeitarbeitsloser Frauen und Männer ab dem vollendeten 27. Lebensjahr in Beschäftigung unterstützen, 
  • zu einer Stärkung der lokalen Ökonomie beitragen (im Verständnis der Gesamtheit des ökonomischen Handelns in den und für die benachteiligten Quartiere). 

Die Projektaktivitäten sollen über die Verknüpfung mit anderen Handlungsfeldern integrierter Stadtentwicklung einen Quartiersmehrwert bewirken und so den sozialen Zusammenhalt sowie die innerstädtische Kohäsion verbessern“ (BIWAQ 2017: 4).

Letztendlich wird in Gebieten/Stadtteilen gefördert, in denen „der durchschnittliche Anteil der Arbeitslosen sowie der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund deutlich über dem Mittelwert der jeweiligen Kommunen“ (BBSR) liegt.

Was wird gefördert?

  1. Handlungsfeld „Nachhaltige Integration in Beschäftigung“
    – (aufsuchende) Beratung und wohnortnahe Beratungsangebote 
    – niedrigschwellige, lebensweltorientierte Aktivierungsangebote 
    – Kompetenz- und Potenzialanalysen 
    – passgenaue, abschlussorientierte Qualifizierungen (einschl. Teilzeitqualifizierungen)
    – Aktivitäten zur (Weiter-)Entwicklung berufsbezogener digitaler Kompetenzen der Zielgruppen (z. B. Social-Media-Kompetenzen, Online-Kommunikation) 
    – betriebliche und arbeitsweltnahe Praxiseinsätze
    – sozialpädagogische Begleitung, Aktivitäten der Gesundheitsförderung, Coaching in Einzel- und Gruppenarbeit 
    – (digitale) Bewerbungstrainings, Mobilitätsförderung, Vermittlung in Ausbildung oder Arbeit – Übergangsbegleitung nach erfolgreicher Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt 
  2. Handlungsfeld „Stärkung der lokalen Ökonomie“
    – (aufsuchende) Beratung von Mittel-, Klein- und Kleinstunternehmen zur Stabilisierung bestehen- der lokaler Ökonomie im Quartier
    – Aktivitäten zur (Weiter-)Entwicklung digitaler Kompetenzen und Ressourcen lokaler Unternehmen, z. B. Onlinehandel, Verknüpfung der Nutzung von Online- und Offline-Marketing (Multichanneling), Social Media und Aufbau von Internetpräsenzen 
    – Aktivierung von Unternehmen als Wirtschaftspartner der Quartiersentwicklung 
    – Leerstandsmanagement 
    – Aufbau und Stabilisierung von Unternehmensnetzwerken 
    – Vermittlung von Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Kammern/Wirtschaftsförderung durch das Quartiersmanagement 
    – Aktivitäten zur Förderung lokaler Beschäftigung sowie Fachkräfteentwicklung und -sicherung 
    – Unterstützung von Unternehmen im Diversity Management 
    – Ansiedlungsberatung 
    – Bereitstellung arbeitsmarktpolitischer Brücken und Herstellung von Verbindungen (über Beratung und Vermittlung) zu Betrieben der angrenzenden Stadtteile 
    – Imageförderung 
  3. Handlungsfeldübergreifende Aktivitäten (Kombination aus A und B, inkl Schaffung von Synnergien)
    – soziale Aktivitäten und soziale Infrastruktur 
    – Stärkung des Zusammenhalts der Bewohnerinnen und Bewohner: Austausch der Generationen, Integration vor Ort, Inklusion 
    – Aufbau von digitalen Nachbarschaftsportalen und intergenerativer Hilfen zur Anwendung digitaler Medien, Aufbau und Unterstützung digitaler Lernorte (zur Förderung digitaler Kompetenzen und Teilhabe/E-Citizenship) 
    – Stadtteilkultur, Sport und Freizeit 
    – Imageverbesserung und Öffentlichkeitsarbeit 
    – zivilgesellschaftliches Engagement und Partizipation 
    – gemeinwohlorientierte Quartiersprojekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge (z. B. Unterstützungsangebote für Seniorinnen und Senioren, Sicherung der Nahversorgung im Quartier) 

„Die beiden BIWAQ-Handlungsfelder und die Verknüpfung mit anderen Handlungsfeldern der integrierten Stadtentwicklung sollen auch zur digitalen Inklusion und zur digitalen Bildung im Sinne der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsmarktchancen der Bewohnerinnen und Bewohner beitragen“ (BIWAQ).

Wer kann sich für BIWAQ-Mittel bewerben?

Kommunen mit Programmgebieten des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ oder (als Optionskommune) mit Jobcenter.

Wie viel Mittel stehen zur Verfügung?

Für die Förderperiode 2014-2020 stehen 104 Millionen Euro aus dem ESF sowie bis zu rund 70 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesbauressorts zur Verfügung. Die Förderperiode wird in zwei Förderrunden umgesetzt, 2015-2018 und 2019-2022.

Wie gestaltet sich die Zuwendung?

Projektlaufzeit: 3-4 Jahre

Eigenanteil: 10-50% (abhängig davon, ob 40%-Anteil über Bundesmittel BMUB übernommen wird). Der Eigenanteil kann auch durch Gestellung von Personal erbracht werden.

Projektkosten: 0,3-2 Millionen Euro zuwendungsfähige Gesamtausgaben

Förderprojekte – Vier Beispiele

  1. „Aktivierung statt Betreuung“ (Rostock)
    „Das Projekt „Aktivierung statt Betreuung“ wurde in vier Programmgebieten der Sozialen Stadt in Rostock durchgeführt. Bei allen Quartieren handelt es sich um Großwohnsiedlungen am Rande von Rostock (Schmarl und Groß Klein im Nord- westen, Dierkow und Toitenwinkel im Nordosten). Neben den zwei im Handlungsfeld Beschäftigung durchgeführten Teilprojekten sollte das vom Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e.V. durchgeführte Teilprojekt Unternehmen schulen und sie bei der Vernetzung unterstützen. Nach einem Personalwechsel wurde das Projekt dahingehend geändert, dass Maßnahmen durchgeführt wurden, die die integrierte und partizipative Wiederbelebung einer ehemaligen Kaufhalle und eines zentralen Platzes in Toitenwinkel zum Gegenstand hatten. Im Rahmen des BIWAQ-Projekts wurden eine Bedarfserhebung mit Interviews durchgeführt, eine Fotoreportage von Gewerbetreibenden erstellt und ein partizipativer Prozess zur Wiederbelebung der Kaufhalle konzipiert und angestoßen. Um den Möglichkeitsraum für die zukünftige Entwicklung der Halle und des umliegenden Platzes zu eröffnen, wurde ein „Urban Design Thinking Prozess“ aufgesetzt. Der Prozess konnte nach dem formalen Ende der BIWAQ-Projektlaufzeit aufgrund der positiven Impulse, die mit dem Projekt „Aktivierung statt Betreuung“ einhergehen, durch andere Förderung weitergeführt werden“ (BBSR). Mehr Infos unter afw-rostock.de
  2. „Perspektive(n) Weißwasser“
    „Das Projekt zielte auf die Stärkung der Innovationsfähigkeit von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) und Teilerwerbs-Gewerbetreibenden in Weißwasser. Die lokale Wirtschaft sollte durch Analyse-, Beratungs- und Bildungsmaßnahmen unterstützt werden. Ein Augenmerk wurde dabei auf die Entwicklung ergänzender Online- und E-Commerce-Angebote im Handel unter Nutzung der Wettbewerbsvorteile traditioneller Läden mit ihrer unmittelbaren Nähe zu den Kunden gerichtet. Dadurch sollte der Aufbau kleinteiliger Gewerbestrukturen gesichert und gleichzeitig ein Beitrag zur Fachkräftesicherung sowie zur Verbesserung des Standortimages geleistet werden. Eine angedachte Revitalisierung der historischen Villa der Glasfachschule als einer der ursprünglichen Ideen des Projekts „Perspektive(n) Weißwasser“ konnte aufgrund finanzieller Engpässe der Stadt nicht realisiert werden. Die Maßnahmen für die Unternehmen und Gewerbetreibenden wurden durch diverse Aktivitäten ergänzt, die auf die Stadtgesellschaft als Ganzes im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung zielten. Dazu zählt die Durchführung sogenannter Sommerakademien mit externen Gästen, Lesungen, Workshops, Adventsausstellungen und Wohnzimmerkonzerten sowie einer Exkursion für Vertreterinnen und Vertreter von Verwaltung, Zivilgesellschaft und Gewerbetreibende nach Bilbao/Spanien. Im Rahmen des BIWAQ-Handlungsfelds Beschäftigung und den handlungsfeldübergreifenden Aktivitäten ließen sich zudem künstlerische und gärtnerische Aktionen zur Verbesserung des Erscheinungsbildes im Wohnumfeld realisieren“ (BBSR). Mehr Infos unter perspektiven-weisswasser.de
  3. „Start“ (Gladbeck)
    „In Gladbeck wurde als Ziel des Teilprojekts zur Stärkung der lokalen Ökonomie definiert, die lokalen Gewerbetreibenden gegenüber der starken Konkurrenz durch neue Einkaufszentren und dem Onlinehandel zu stärken und den Brauck-Rosenhügeler Wochenmarkt in seiner Funktion als Nahversorger und als Stadtteiltreff wiederzubeleben. Die Projektaktivitäten wurden dabei in drei Teilbereiche gegliedert. Die städtische Projektleitung hat neben der Gesamtprojektkoordination auch Aktivitäten zur Vernetzung der Kultur- und Kreativwirtschaft umgesetzt, aus denen ein eigener Verein hervorging. Es wurden Akteure identifiziert und durch die Etablierung eines Kreativnetzwerkes und Projektaktionen mobilisiert. Ein weiterer Baustein bestand in der Beratung und Vernetzung von Unternehmen mit Schwerpunkt auf Marketingfragen. Ein Auftragnehmer hat dazu Veranstaltungsformate entwickelt und 30 individuelle Beratungen („Gewerbechecks“) durchgeführt. Die Unterstützung von Markthändlern wurde von einem weiteren Auftragnehmer umgesetzt. Dazu wurden eine Analyse der Ist-Situation der Märkte im Quartier durchgeführt und ein neues Marktformat „Regionalmarkt“ mit Warenschwerpunkt „Regionalität“ eingeführt. Seit der Markt allerdings nicht mehr regelmäßig mit Veranstaltungen im Rahmen der BIWAQ-Projektaktivitäten bespielt wurde, schlief das Format wieder ein, so dass die Verstetigung leider nicht geglückt ist. Ein weiteres Teilprojekt widmete sich der Integration in Arbeit. Das Projekt wurde in den drei Gebieten Gladbeck Mitte, Butendorf und Brauck umgesetzt“ (BBSR). Mehr Infos unter gladbeck.de
  4. Work&act (München)
    „”work&act 2.0″ heißt das Münchner BIWAQ-Projekt – Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier und wird bis 2022 weitergefördert. Das Projekt wirkt in den Stadtteilen Ramersdorf, Giesing und Berg am Laim. Das Besondere an work&act 2.0 ist nicht nur die Verzahnung arbeitsmarktpolitischer Instrumente mit Stadtentwicklungsprogrammen, sondern auch die doppelte Zielsetzung des Projekts: So integriert work&act 2.0 erfolgreich Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt und unterstützt zugleich Gewerbetreibende in den Stadtteilen durch Markenbildungsprozesse und kostenfreie Seminare“ (Muenchen.de)

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