Basel

Dem Druck auf Grund und Boden Einhalt gebieten

Lest hier meine Rezension des Buchs „Boden behalten – Stadt gestalten“, das wirklich ansteckend ist.

30 Autor*innen steuern ihre Blickwinkel bei, um die brennende „Bodenfrage“ in ihrem Facettenreichtum zu beleuchten. Das beginnt mit historischen Abrissen, die etwas langatmig geraten sind. Eine weitere Facette sind Informationen zum Erbbaurecht, zum gemeinnützigen Wohnungsbau, zur nachbarschaftlichen Selbstverwaltung, die sehr plausibel zusammengefasst werden. Interessant ist dabei, dass diese Fragen sozusagen im Dreiländerblick diskutiert werden, nämlich Deutschland, Österreich und die Schweiz wetteifern mit eigenen Wegen, um das gleiche Ziel zu erreichen.

Das Ziel wird klar benannt: wir brauchen Instrumente, die dem enormen Druck von Großinvestoren auf Grund und Boden Einhalt zu gebieten. Das Buch verweist auf viele alte gute Instrumente. So war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Wohnungsbau durch die öffentliche Hand eine feste Größe. Vielerorts ging dieser Anspruch verloren, nur Wien und Zürich bilden beispielsweise eine Ausnahme bis heute.

Das wirklich Spannende an „Boden behalten – Stadt gestalten“ sind die letzten neun Kapitel. Sie befassen sich mit den praktischen Erfahrungen vieler „Bodeninitiativen“ aus Deutschland und anderen Ländern. Diese Erfahrungen werden umfangreich beschrieben und ermuntern, eigene Initiativen zu gründen, denn hier wird deutlich, was eine informierte und engagierte Zivilgesellschaft erreichen kann.

„Ansteckend“ ist aus meiner Sicht die Basler Bodeninitiative der Grünen Partei, der es gelungen ist, dass gemeindeeigene Immobilien (dazu gehören auch Grund und Boden) nicht mehr an Dritte veräußert werden dürfen. Aus meiner Sicht bietet diese Basler Initiative den Anlass, darüber nachzudenken, ob wir in Bayern ein neues Volksbegehren starten „Boden behalten – Stadt gestalten“. Ein Grund mehr, dieses Buch zu studieren.

Boden behalten – Stadt gestalten
Brigitta Gerber, Ulrich Kriese (Hg.), 432 S.,
Broschur, ISBN 978-3-906304-50-2, 23.40 €,
Mai 2019. rüffer & rub, Zürich

Bild: Pixabay

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