Online-Gedenken an Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

Am 26. April 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine der bisher größte Unfall in der Geschichte der Atomenergie. Der Block 4 flog durch eine Explosion im Reaktorkern in die Luft. Ein Großteil der Radioaktivität des Kraftwerkes wurde freigesetzt. In der Folge wurden weite Teile Europas so sehr radioaktiv verseucht, dass in manchen Regionen selbst heute noch empfohlen wird, auf den Verzehr von Pilzen weitgehend zu verzichten. Unter den gefährlichsten Giften, die freigesetzt wurden, sind radioaktives Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium.

Während Jod mit einer Halbwertszeit von acht Tagen inzwischen ungefährlich geworden ist, sind bei Strontium mit einer Halbwertszeit von 28 Jahren und Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren bis auf weiteres so große Mengen in unserer Umwelt zu finden, dass noch heute jedes geschossene Wildschwein auf die Radioaktivitätsbelastung überprüft werden muss. Ab einem gesetzlich festgelegten Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm darf das Fleisch nicht verzehrt werden. In manchen Regionen Bayerns werden vor allem im Winterhalbjahr die Hälfte aller erlegten Tiere als radioaktiver Sondermüll entsorgt. Auch im Fichtelgebirge und Frankenwald werden immer wieder Tiere vom Verzehr ausgeschlossen. Der Bombenstoff Plutonium, der in jedem Atomkraftwerk als künstliches Element entsteht, hat sogar eine Halbwertszeit von 24.400 Jahren und ist dafür verantwortlich, dass jedes geplante Atommüll-Endlager einen Zeitraum von mindestens 500.000 Jahren sicher überstehen können müsste.

Umwelt– und Naturschutzverbände fordern deshalb seit Jahrzehnten einen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie. Die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz hat unter der Leitung von Nanne und Udo Benker-Wienands im Jahr 1988 zum Gedenken an den Unfall ein Denkmal initiiert. Im Jahr 2011 konnte das Werk, eine auf dem Rücken liegende, hilflose Schildkröte aus schwarzem Granit, in der  Weltkulturerbestadt Bamberg installiert werden. Entworfen hat das Kunstwerk der koreanische Künstler Jinmo Kang, die handwerklichen Arbeiten wurden mit Unterstützung zahlreicher Sponsoren an der Staatlichen Berufsschule Marktredwitz-Wunsiedel, Abteilung Steintechnik, unter der Anleitung des Ausbildungsleiters Wolfgang Ritter durchgeführt,

Alljährlich immer am 26. April findet bei der Schildkröte aus Granit am Ufer der Regnitz ein stilles Gedenken an die Opfer der Tschernobylkatastrophe statt. Diese Versammlung muss in diesem Jahr 2020 wegen der Coronakrise abgesagt werden. 

„Leider hat der technisierte Westen aus dem folgenschweren Unfall in Tschernobyl nichts gelernt. Die Atomkatastrophe von Fukushima 25 Jahre später hätte nicht mehr geschehen müssen“, so Udo Benker-Wienands. Die Opfer der Katastrophen seien der Profitgier und Verantwortungslosigkeit der zuständigen Politiker und Wirtschaftsmanager geschuldet.

„Große Sorgen muss man sich aktuell über die großflächigen Waldbrände in der Evakuierungszone rund um den havarierten Reaktor machen. Die im Boden gelagerte Radioaktivität wird durch das Feuer in die Atmosphäre geschleudert und wieder  großflächig verteilt, andererseits frisst sich das Feuer auf die Reaktorruine zu und gefährdet den  neu errichteten milliardenteueren Sarkophag um den Reaktor,“ erläutert der Sprecher.

„Die sofortige Abschaltung aller atomarer Kraftwerke würde die Bevölkerung schützen, die weitere Erzeugung von tödlichem Atommüll verhindern und intelligente Energieerzeugung fördern“, ergänzt Nanne Wienands.

Die Bamberger Landtagsabgeordnete Ursula Sowa verweist auf die zahlreichen Vorteile von Erneuerbaren Energien. „Mit einem klugen Mix aus erneuerbaren Energien können wir günstiger und sicherer Strom erzeugen. Wir müssen keine Endlager errichten und die Gewinne bleiben nicht bei einigen wenigen Konzernen, sondern vielen, auch kleinen, Unternehmen, Genossenschaften und Privatpersonen. Dies gilt es auch zu beherzigen, wenn deutsche Banken wegen Krediten für den Bau von Atomreaktoren in anderen Staaten angefragt werden.“

Das Gedenken an die Nuklearkatastrophe wird indes auch 2020 nicht ausfallen. „Die Bamberger Grünen veranstalten ein Online-Gedenken, für das jede*r Bilder zur Veröffentlichung einreichen kann“, ergänzt Sowa. Die Bilder können die Teilnehmer*innen am Tschernobyl-Denkmal zeigen; z. B. auch mit Schildern und Plakaten. Auch eine Anlage für regenerative Stromerzeugung wäre ein gutes Hintergrundmotiv. Fotos können bis Donnerstag, 23. April 2020, 21 Uhr an kreisverband@gruenes-bamberg.de geschickt werden. Sie werden anschließend auf den Social Media-Kanälen des grünen Kreisverbandes Bamberg veröffentlicht.

Ein besonderer Dank gilt aus Sicht von MdL Ursula Sowa den Initiatoren des Denkmals, Udo und Nanne Benker-Wienands, denen Bamberg es verdankt, den würdigen Gedenkort seit vielen Jahren in der Stadt haben zu dürfen.

Bild: 2019, Gedenkfeier

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