Wie bitte: Bamberger Ingwer?!

Gibt es ihn wirklich? Davon musste ich mich selbst überzeugen! Deswegen besuchte ich gemeinsam mit meinem Team und der Bamberger Stadträtin Gertrud Leumer den Bamberger Standort der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, kurz LWG.

Hier werden vier verschiedene Sorten von Ingwerpflanzen in einem großen Gewächshaus, aber auch im Freiland versuchsweise angebaut. Sie kommen aus Peru, Thailand und Taiwan, wo der Ingweranbau in Kooperation mit der LWG ebenfalls erforscht wird. Birgit Rascher, Versuchsingenieurin in der LWG, erklärte uns, dass die Knollen sich bei einer Temperatur von 20 °C und einer hohen Luftfeuchtigkeit am wohlsten fühlen. Das ganze Gewächshau ist daher vernebelt. Wir erschrecken, als plötzlich Düsen angehen und uns beregnen.

Ich fragte nach der Energiebilanz und dem Wasserverbrauch: Ist der Ingweranbau in einem kühlen Land wie Deutschland überhaupt nachhaltig? Ingwer benötigt nicht mehr Wasser als Tomaten, die hier ja bereits im großen Stil angebaut werden, erläuterte Frau Rascher. Außerdem ist der Wasserkreislauf geschlossen, so dass nichts verschwendet wird. Beheizt wird das Gewächshaus mit Holzpellets. Um Ingwer wirtschaftlich anbauen zu können, könnte in anderen Betrieben Industrieabwärme genutzt werden. Wir stellen uns Gewächshäuser auf Fabriken vor – eine schöne grüne Utopie.

(Nebenbemerkung: An den Ingweranbau hat sich übrigens bereits eine erste Bamberger Gärtnerei gewagt, und das mit Erfolg! Vor wenigen Tagen wurde in der Gärtnerei Niedermaier der erste Ingwer geerntet. Die Knollen dafür lieferte natürlich die LWG.)

Nach unserem Ausflug ins Gewächshaus erläuterte uns Hermann Kolesch, der Leiter der LWG, die Anfänge und verschiedenen Aufgaben der Wein- und Gartenbauanstalt. Schon 1874 wurde die erste private Weinbauschule in Veitshöchheim gegründet, wo heute der Hauptsitz der LWG mit dem Versuchsbetrieb Weinbau liegt. Neben Bamberg (ökologischer und konventioneller Gemüsebau) gibt es noch einen dritten Standort in Thüngersheim (Obstbau und Baumschule). Die LWG forscht an diesen Orten praxisorientiert zu verschiedenen Themen, zu denen Biodiversität, Klimawandel, Tierwohl, nachwachsende Rohstoffe und Öko-Landbau gehören. Aktuelle Forschungsvorhaben laufen bspw. zum Süßkirschenanbau im Klimawandel oder zu Urban Gardening Projekten in der Metropolregion Nürnberg. Neben der Forschung ist die Öffentlichkeitsarbeit und Beratung von Hobbygärtner*innen und Gartenbauunternehmen eine wichtige Aufgabe der LWG.

Auch über das geplante „Grüne Zentrum“ auf dem Gelände der LWG in Bamberg berichtete uns Herr Kolesch. Gebaut werden soll ein modernes Kompetenzzentrum, in das neben der LWG auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), die Landwirtschaftsschule und der Maschinenring einziehen sollen. Die Zusammenlegung dieser Institutionen eröffnet große Chancen, allerdings bleiben noch viele Fragen offen (siehe meine Schriftliche Anfrage zum „Grünen Zentrum“). Ich werde den weiteren Verlauf der Planungen auf jeden Fall konstruktiv beobachten und hoffe, dass die Pläne bald der breiteren Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

Fotos: Andreas Eichenseher

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