Ein Tropfen auf die morsche Fliese

Bayerns Bauminister Hans Reichhart präsentiert stolz sein neues Sonderprogramm zur Schwimmbadsanierung. Dabei sind die in Aussicht gestellten 120 Millionen Euro für sechs Jahre bei weitem nicht genug: Allein Oberfranken benötigt für seine Bäder fast das doppelte der Fördergelder!

Die Rekordhitze hält ganz Bayern in Atem. Doch glücklicherweise gibt es überall kommunale Schwimmbäder, die Abkühlung versprechen. Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch da und dort – am Schwimmbecken, in Umkleiden oder Duschen – baufällige Ecken. Der Sanierungsbedarf der Bäder Bayerns ist riesig! Allein in Oberfranken sind 58 Schwimmbäder sanierungsbedürftig, 7 droht gar die Schließung (Stand 2018). Zu den sanierungsbedürftigen Schwimmbädern zählen beispielsweise die Schwimmbäder in Hirschaid, Zapfendorf und Bischberg, sowie in Bamberg Stadionbad, Gaustadter Freibad und Bambados.

Schönheitsreparaturen lassen sich vielleicht mit 100.000 Euro beheben. Wer ein Bad grundlegend sanieren will – und das ist bei den meisten dringend vonnöten – muss eher mit 4 Millionen Euro rechnen. Allein Für die Sanierung der oberfränkischen Schwimmbäder mit Sanierungsbedarf kommt also schon ein Investitionsbedarf von 230 Millionen Euro zusammen. Das zeigt mir: Die Summe, die Herr Reichhart für ganz Bayern verspricht, reicht hinten und vorne nicht.

Zusätzlich kritisiere ich die Vergabe der knapp bemessenen Fördergelder an die Kommunen. Auf der Website des Bauministeriums findet sich der Satz: “Die Maßnahmen werden in der Reihenfolge gefördert, in der die vollständigen Antragsunterlagen bei den Bewilligungsstellen eingehen.” Die Vergabe geschieht also nach dem Windhundverfahren – die Kommune, die zuerst kommt, mahlt zuerst. Das ist ungerecht und entspricht nicht einer vorausschauenden und nachhaltigen Förderung, die den tatsächlichen Sanierungsbedarf der Kommunen berücksichtigt.

Als Bauministerin würde ich es anders machen und vor allem die interkommunale Zusammenarbeit belohnen. Fördergelder bekämen dann vor allem die Städte und Gemeinden, die zusammenarbeiten, um ein flächendeckendes Angebot an Schwimmbädern bereit zu stellen. Damit wir alle bei der nächsten Hitzewelle ein Bad in der Nähe haben.

(Foto: Pixabay)

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