Meine ersten 100 Tage im Landtag [Interview]

Die Lokalredaktion des Fränkischen Tags stellte mir einige Fragen zu meiner ersten Zeit im Bayerischen Landtag.

 

Wie waren die ersten 100 Tage als Landtagsabgeordnete?

Man braucht ungeheuer Zeit, um funktionierende Strukturen zu etablieren. Ich habe erst vor wenigen Tagen die Schlüssel für mein Landtagsbüro in der Maximilianstraße 58 bekommen, weil der Bau noch renoviert wurde. Möbel stehen aber immer noch nicht drin. Der Landtag hatte seine konstituierende Sitzung kurz vor Weihnachten, die erste Sitzung meines Ausschusses für Bauen, Wohnen und Verkehr war am 22. Januar.

Die ersten Wochen war ich damit beschäftigt, ein Büro in Bamberg anzumieten, Mitarbeiter*innen einzustellen, das Büro einzurichten und mit Technik auszustatten, eine Homepage aufzubauen usw. In Bamberg läuft jetzt alles in festen Bahnen.

 

Um welches Thema haben sie sich in den ersten 100 Tagen schwerpunktmäßig gekümmert?

Meine Fraktion hat mich zur baupolitischen Sprecherin ernannt. Zusammen mit meinen beiden Grünen-Kollegen Dr. Jürgen Mistol und Markus Büchler, die für Wohnen und Verkehr zuständig sind, teile ich mir die Ausschussarbeit. Meine große Vision ist eine Bayern-IBA, also eine Internationale Bauausstellung, die innovative Bau-Projekte in allen Bezirken und Regionen Bayerns verwirklicht. Das ist ein langfristiges Ziel, das gründlich beackert werden muss und viel Überzeugungsarbeit erfordert. Aktuell befasse ich mich mit einer Reform der bayerischen Schulbaurichtlinien und kümmere mich um den Schutz des Steigerwaldes.

Gerade jetzt in der Anfangszeit ist es wichtig, Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu führen. Ich war beispielsweise bei der Regierungspräsidentin und beim Polizeipräsidenten von Oberfranken, im Amt für ländliche Entwicklung, habe mit Innenminister Herrmann über das Bamberger Anker-Zentrum gesprochen. Und ich habe mit Engagierten in der Flüchtlingsarbeit die Asylunterkunft in Demmelsdorf besucht.

 

Was werten Sie als Ihren bisher größten Erfolg? Was war der größte Rückschlag?

Tut mir leid, die Frage kommt einfach zur früh. Machen wir doch in einem halben Jahr nochmal ein Interview.

 

Wie viele Reden haben Sie bisher gehalten?

Es gab bisher erst fünf Plenarsitzungen im Landtag, da habe ich noch nicht gesprochen. Im Ausschuss wird nicht mit Redezeiten gearbeitet, sondern spontaner debattiert. Da war ich bisher schon für mehrere Tagesordnungspunkte die so genannte Berichterstatterin.

 

Wie viel Kontakt haben Sie zu den anderen MdL aus der Region Bamberg?

Sebastian Körber von der FDP aus Forchheim, der ebenfalls frisch in den Landtag gewählt wurde, ist ja ebenso Architekt wie ich und zudem Vorsitzender meines Bauausschusses. Dieser kurze Draht ist sehr wohltuend und vielversprechend. Aber auch mit dem CSU-Kollegen Dremel aus Scheßlitz hatte ich schon des öfteren gemeinsam Zugfahrten und gute Gespräche.

 

Wie stehen Sie zum Volksbegehren Artenvielfalt?

Ich bin begeistert von den Wählerinnen und Wählern, die mit einer überwältigenden Zahl von Unterschriften der Bayerischen Staatsregierung klar gemacht haben, wie wichtig dieses Thema ist und was bisher sträflich versäumt wurde. Auch in Bamberg und Umgebung weiß ich von so vielen Engagierten, die mich ungeheuer beeindruckt haben.
Jetzt muss es vorwärts gehen. Wir Grüne sind am Runden Tisch beteiligt. Hier kann ich meine Vorschläge im Bereich Bauen einbringen und will an der Bayerischen Bauordnung ansetzen: In Grünordnungsplänen, also bei Bebauungsplänen und Baugenehmigungen, soll Artenschutz künftig verpflichtend sein. Oder denken Sie an die Quasi-Grünstreifen bei Parkplätzen am Rand von großen Super- oder Baumärkten. Als Blühstreifen könnten das wertvolle Kleinlebensräume für Insekten sein, aber tatsächlich liegen dort nur Kieselsteine mit ein paar halbverhungerten Gebüschpflanzen dazwischen. Das sollte sich ändern. Sogar auf Flachdächern und mit begrünten Fassaden kann man etwas für Artenvielfalt tun. Festgelegte Quoten in der Bauordnung könnten das voranbringen.

 

Welche neuen Lektionen über Politik haben Sie gelernt?

Nachdem ich die Kommunalpolitik nach gut 22 Jahren im Bamberger Stadtrat inzwischen in und -auswendig kenne und auch drei Jahre Mitglied im Deutschen Bundestag war, ist trotz aller Erfahrungen der Landtag wieder ein neues Feld mit ganz eigener Dynamik. Die Atmosphäre innerhalb der Fraktion ist sehr herzlich und hilfsbereit, ja fast familiär. Ich fühle mich da sehr wohl und auch als „Anfängerin“ gut unterstützt. Erfreulich ist, dass ich trotz der Verpflichtungen in München auch hier im Raum Bamberg weiter sehr aktiv sein kann.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.